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Die eigenen Träume wahr machen, seine Träume erleben, am Ende des Jahres zurückzuschauen und das Gefühl zu haben: Es war ein tolles Jahr, ich habe vieles gesehen und erlebt, meine Chancen genutzt...
Feuer und Eis - dem Himmel nahe: Das waren die Reise-Highlights dieses Jahres: Pfingsten flog ich über jenem Ort, der auf Deutsch so passend "Zwischen Himmel und Erde schwebend" heißt: Über den Meteora-Klöstern. Doch dem Himmel zu nahe zu kommen mußte schon Ikarus büßen. Zunächst flog ich bei guter Thermik, mit erstaunlichen Steigungswerten und heftigem Klapper am Schirm: Die rechte Seite meines Gleitschirms hing schlaff herunter, eine heftige Rechtskurve begann ohne mein Zutun. Eine Schrecksekunde, dann aber schon refelxartiges Steuern: Anbremsen der linken Seite, stabilisierter Geradeausflug und der Klapper löste sich so schnell wie er entstand. Um Verwirbelungen des starken Windes auszuweichen und notfalls noch die Sicherheitsreserve meines Rettungsschirmes nutzen zu können hielt ich mich in ausreichender Höhe über den Klöstern und kehrte wohlbehalten zurück. Doch den Mönchen und Nonnen nochmals "aufs Dach zu steigen" und dabei am Abend einen ruhigeren (weniger thermischen) Flug zu haben war zu verlockend...
Der Abendflug wurde mein
kürzester. Kaum hatte ich abgehoben, da fasste mich eine heftige Windböe, drückte
mich gegen einen Baum, den ich noch ausweichen konnte. Doch im nächsten
Moment wurde ich zu Boden geschleudert. Eine schmerzhafte Landung - und Erleichterung
den Schmerz noch spüren zu können. Beunruhigend der Anblick des Beines,
das unnatürlich gewinkelt erschien. Stöhnend befreite ich mich von
dem Rucksackmotor, der mit seinen 30 kg auf mir lag, der Propeller natürlich
in unzähligen Fetzen in der Gegend verteilt. Den Schirm aus dem dornigen
Gestrüp befreien. Dann zum Auto humpeln, möglichst nah an mein Fluggerät
heranfahren, den Motor Schritt für Schritt zum Auto wuchten. Inwischen nahm das
rechte Knie kaum vorstellbare Dimensionen an, doch mehr
als eine Prellung schien
es nicht zu sein. Immerhin Sitzen und Gasgeben ging gut; Bremsen bei vorausschauenden
Fahren auch... notfalls hat man ja noch die Handbremse :-(
Die nächsten Tage lief ich mit Wanderstöcken gar nicht einmal so schlecht und das Autofahren ging fast wie zuvor. In Ulm zurück lies ich mich dann doch ärztlich untersuchen - und durfte gleich zur Operation dableiben: Lächelnd sagte der Arzt zu mir: Schauen Sie mal, was ich mit Ihrem Bein machen kann" und bog es seitlich. Das Kniegelenk war traumatisiert, die Bänder fast vollständig abgerissen. Nach der Operation ging ich erst einmal an Krücken. Doch der Chirurg hatte auch einen Trost: Im Sommer könne ich wieder fliegen. Was er zunächst verschwieg: Beim Fliegen sollte ich Krücken und Beinschine nutzen.
Nun ja, den Sommer flog
ich über Island: Fliegen über Wasserfälle, Vulkane, Erdrisse,
Canyons und Gletscher. Und natürlich Spaziergänge, Auto-und Bootsfahrten,
Besichtigungen, und immer wieder Bäder in den "Hot Pots", den
durch vulkanische Erdwärme geheizten Becken inmitten grandioser Natur.
Nächtens sommerliche Temperaturen von "angenehmen" 5-8 Grad, tags zwischen
8 und 28 Grad. Nun, mit vernünftiger Ausrüstung sind auch diese nächtlichen
Temperaturen im Zelt sehr gut auszuhalten.
Es gab sowohl Windstille als auch Sturm. Fliegen konnte man dieses Jahr (Großes Glück mit dem Wetter; eine sehr gute Freundin wurde nie müde zu sagen ich sei ein Glückskind...) an vielen Tagen: Entweder mit Gleitschirm oder (fast) mit Zelt. Ja, Stürme sind nicht selten auf Island. Starkwind hatte ich schon öfters auf meinen Reisen, aber diesen Sommer brach erstmals das Zeltgestänge durch. Ja, auch das Fliegen mit Motorschirm klappte: Meine vom Arzt geforderte Krücke war eine nette Reisebegleitung, mit der sich recht spontan eine gemeinsame Reiseplanung ergab und die mir nun beim Start helfen konnte.
Abenteuerlich
waren die Straßen mitunter schon: Vielfach für normale PKWs gesperrt, aber wer
kontrolliert das schon ;-)
Ohne Klappspaten geht freilich nichts, und irgendwann ist das Radeln bequemer als das Autofahren auf den Nebenstraßen.
Die Panne liess nicht
lang auf sich warten. Natürlich unmittelbar vor dem Wochenende, was den
Austausch des Reserverades gegen ein Vollwertiges erschwerte. Immerhin: Auf
die Hilfsbereitschaft der Isländer ist Verlass. Nachdem zunächst ein
netter Mensch nicht zusehen konnte, dass ich eine öffentliche Telefonzelle benutzte und
mir sogleich sein Handy reichte, fuhr er gleich noch zur Werkstatt voraus. Nachdem
dort am Wochenende niemand war fiel ihm nacheinander ein:

- dass bei Tankstellen mitunter Reifenflicksprays erhältlich sind (leider hier nicht.)
- dass er noch eines bei sich zu Hause haben könnte. (leider auch nicht.)
- dass es Zeit für ein zweites - gemeinsames- Frühstück wäre (Ja!!!)
- dass ein Freund
ein Reparaturse
t
haben könnte (Ja.)
- dass er dies abholt, wärend wir als seine Gäste weiter frühstücken (Gerne.)
-
dass
er die Reparatur für uns macht (so langsam wird es schon fast zuviel der
Gastfreundschaft...)
Die Reparatur sah
nun so aus, dass er zunächst einmal mit der Bohrmaschine ein größeres
Loch in den Reifen bohrte... Bei unserem ratlosen bis entsetzten Blick konnte
er sich ein Lachen nicht verkneifen... ganz richtig vermutete er, dass in Deutschland
wohl nicht repariert, sondern nur weggeschmissen werde. Er mußte erst
einmal bohren, um ein genügend großes Loch für die Reparatur
zu haben. Und die hielt
dann auch bis heute.
Traditionelle Rollenteilung (siehe rechtes Bild): Der Mann fliegt, die Frau macht die Wäsche ;-) (Nein, so schlimm bin ich eigentlich gar nicht... die Arbeiten haben wir geteilt, meine Wäsche wusch ich schon selbst ...)
Die Begleitung flog
einige Tage früher zurück (NICHT mit dem Motorschirm...) und so wurde ich leichtsinnig: Bis zuletzt blieb es
spannend, ob ich die Fähre noch erreichen würde. Zu sehr hatte ich
gebummelt - oder anders ausgedrückt: Flugchancen genutzt. Eine halbe Stunde
vor Abfahrt der Fähre ereichte ich sie; mithin 1 1/2 Stunden zu spät.
Das Problem: Die nächste ging erst in einer Woche - und war schon ausgebucht.
Aber Glücksfall Nr. 1: Ich durfte noch an Bord, mußte lediglich bei dem
Zwischenaufenthalt auf
den Färöer-Inseln mit dem Auto die Fähre verlassen
um den LKWs Platz zum Rangieren zu machen. Ein zweiter Glücksfall, denn
so konnte ich die Färoer mit dem Auto erkunden. Und erreichte per Zufall
- dritter Glücksfall - Vestmanna, wo gerade der größte Walfang
seit zwei Jahren gemacht wurde. Glück oder Schicksal? Jedenfalls konnte
ich eine Fotoreihe über dieses "nicht unumstrittene Ereignis" schießen, die gleich an eine Presseagentur ging.
Im Herbst rief mich der Ätna... Leuchtfeuer und Rauchzeichen signalisierten eindeutig: Carsten Schmidt, komm her! Zwei Wochen verfolgte ich die Wetterberichte für Sizilien: Durchgängig ideale Flugbedingungen, maximale Windgeschwindigkeit 20 km/h und Sonnenschein. Brav folgte ich also Ätnas Ruf... Die Ausbrüche von 1989 und 1992 hatte ich ja bereits "live and alive" miterlebt. Nun aber bot sich vor allem erstmals die Chance über einen tätigen Vulkan zu fliegen - und sich von der Giga-Thermik in die Stratosphäre schicken zu lassen. (Naja, fast... spätestens seit Meteora bin ich verstärkt bemüht halbwegs vernünftig zu fliegen....)
Abends
baute ich mit Blick auf die Rotglut des Berges mein Zelt auf... immerhin hatte
der Vulkan seine Tätigkeit nicht zwischenzeitlich eingestellt... Doch bei
Sonnenaufgang eine unangenehme Überraschung: Eine fast waagereche Rauchwolke zeigte sehr starken
Wind an. Ein Anruf zu Hause: 60 km/h heute, 50 km/h morgen, 50 km/h übermorgen,
doch dann sollte es sich ändern. Fein... Wieviel? .... 90 km/h! Also nur
zu Fuß. Aber immerhin... Es gibt kaum romantischeres als einen Sonnenuntergang
über glühender Lava - zumindest auf dem Foto. Real sitzt man bei Sturmböen
in der Hitze, atmet den ätzenden Rauch und spürt die Erdbeben - wenn
nicht gerade eine Sturmböe die Lavaasche und kleine Steine nach einem
schmeißt. Die Kamera streikte - jedoch immerhin erst nach getaner Arbeit. Und
dennoch: Das Naturerlebnis ist gigantisch... und ja, es ist auch im höchstem
Maße romantisch.
Die großartigen Momente des Lebens kommen selten ohne Mühe zu uns...
Dann der Weg zurück. Die ersten Menschen, die mir unten begegneten sahen
mich entsetzt an. "Nanu, denken die ich könne nur als Geist scheinlebendig
vom Gipfel zurückkommen?" denke ich. Später, nach einem Blick
im Spiegel verstehe ich: Ich bin schwarz, fast wie ein Neger... die Lavaasche
hat Gesicht und Haare eingefärbt... und die Augen gerötet.
(An dieser Stelle der obligatorische Hinweis: Aktive Vulkane sind gefährlich und sollten nur bestiegen werden wenn man sich gut auskennt - oder einen Kenner dabei hat... schließlich möchte ich nicht zur Nachfolge von Empedokles anregen (Der berühmte Philosoph wurde der Legende nach vom Ätna verschluckt, lediglich seine Sandalen wurden wieder ausgespieen... Es gibt aber auch Fälle wo KEINE Sandalen übrig blieben..)
Bemerkenswert ist vielleicht noch, dass mich das Hinken nach dem Unfall, mein Nachname sowie der Ätna-Besuch zum perfekten Hephaistos machen... Jener schmiedete die Donnerkeile für Zeus, ich bin mitunter (selten) versucht ebensolche auf einige meiner Schüler loszulassen ;-)
Nun ist wieder Vortragssaison. Z.Z. gibt es drei Termine:
Ulm, Afrika per Rad, 12.12. (Di) im Haus der Begegnung, Grüner Hof 7, 20 Uhr
Diepholz, Kongo zu Fuß, 27.12. (Mi) im Haus Herrenweide, 20 Uhr
Augsburg, Afrika per Rad, 17.01. (Mi) im Barbarasaal, Stettensches Institut, Am Katzenstadel 18, 20 Uhr
Ansonsten bin ich dieses Jahr damit beschäftigt, verstärkt eine der weltweit größten Fotoagenturen zu beliefern. Dieses sowie die zunehmenden Möglichkeiten der Internet-Bildsuchmaschinen machen es leider notwendig, einige Bilder mit Logo zu schützen. Zunehmend führe ich auch Luftbild-Auftragsflüge durch. (Bereits ab 99 Euro, Details sowie diverse Luftbilder unter www.DieWeltErfliegen.de .) Dann möchte ich mich endlich einmal an das vielfältige Foto- und Filmmaterial begeben, das sich die vergangenen Jahre angesammelt hat. Und schließlich habe ich ja noch einen anderen Beruf, bei dem voller Arbeitseinsatz erwartet wird... Leichtsinnigerweise lies ich mich überreden, eine Robotik-AG zu betreuen, ohne von der Materie Ahnung zu haben... Nun, immerhin ist es eine neue Erfahrung gewesen, dass sich Schüler darüber beschweren, wenn eine Pause gemacht wird...

Inzwischen
gibt es auch weitere Resultate meiner Luftfotografie im Netz: Unter www.DieWeltErfliegen.de
kann man kostenlos stöbern, Poster und Postkarten bestellen sowie
Aufträge für Fotoflüge vergeben: Z.B. das eigene Haus oder die
eigene Firma aus der Luft fotografieren lassen. Und das bereits ab 99 Euro!
Auch in diesem Bereich müßte ich einiges aufarbeiten... eine Vielzahl
Bilder aus Italien, Spanien, Frankreich, Island harren noch ihrer Einarbeitung...
Bei Interesse können sich also Anfragen lohnen.
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