Neuigkeiten:

 

Zunächst einmal hat sich mein Lebensmittelpunkt nach fünf Jahren Braunschweig "in Ulm, um Ulm und um Ulm herum" verlagert- und mitunter auch "über Ulm". Seit diesem Schuljahr unterrichte ich an dem Gymnasium Blaubeuren, das damit lockte, "den schönsten Schulhof Deutschlands" zu haben. Und tatsächlich ist die Lage wunderschön. Geologisch-geographisch Interessierten ist sicher der Blautopf ein Begriff, der fast zum Schulgelände gehört. Überhaupt habe ich nun meine blaue Phase: Arbeiten in Blaubeuren am Blautopf, leben in Blaustein an der Blau. Anscheinend hat das Regierungspräsidium meinen Lebenslauf (und vielleicht auch meine Homepage) sehr genau gelesen und sich bei der Vermittlung viel Mühe gegeben, denn bei Blaubeuren gibt es gleich zwei Flugplätze. Und dass mein Autokennzeichen nun die Kurzform für "Ultraleicht(flug)" hat ist auch ganz nett.

Natürlich denkt jetzt auch der eine oder andere an Albrecht Ludwig Berblinger, den "Schneider von Ulm", der 1811 mit seinem Fluggerät die Donau zu überfliegen versuchte. Bekannt ist seine feuchte Landung. Weniger bekannt ist, dass 1986 ein Nachbau zeigte, dass er mit seinen Flügeln tatsächlich gleiten konnte - nur leider an den Fallwinden über dem kalten Wasser scheiterte... und dies unter den Augen des Bruders des Königs und einer wütenden Menge. Die Ulmer fühlten sich nach einem Startabbruch im Beisein des Königs am Vortag - vermutlich hatte Berblinger die ungünstigen Winde bemerkt- doppelt enttäuscht. Als Gleitschirmflieger lernen wir: Von den ahnungslosen Zuschauern niemals drängen lassen, und wenn dieWetterbedingungen nicht stimmen besser auch noch einen zweiten Startabbruch! Immerhin - manchmal  (!) hat man trotzdem Glück.

 

 

 

Dass ich seit Sommer 2004 Flieger bin (Gleitschirm und Motorschirm) war ja bereits im letzten Newsletter zu lesen. (Wer dies noch einmal nachlesen möchte findet unten einen Link). In dem ersten Jahr meines selbständigen Fliegens kam ich übrigens auf 104 Stunden Flugzeit bei 83 Starts und - welch Zufall - ebensovielen Landungen. Der kürzeste Flug lag bei 3 Minuten (Motorausfall wegen schrägstehenden Vergaser), der längste bei 150 Minuten. Die Temperaturen lagen unter eisigen -20 Grad (Winter, hoch über dem Brocken) und über 35 Grad im sommerlichen Spanien. Und das Glück war immer dabei.

  Inzwischen gibt es auch Resultate meiner Luftfotografie im Netz: www.DieWeltErfliegen.de Hier kann man kostenlos stöbern, Poster und Postkarten bestellen sowie Aufträge für Fotoflüge vergeben: Z.B. das eigene Haus oder die eigene Firma aus der Luft fotografieren lassen. Und das bereits ab 99 Euro!

 Hier kommt immer wieder die Frage, warum ich mich für Baden-Württemberg entschieden hätte. Nun, nachdem ich die Anzeigenkampagne der Landesregierung sah ("Wir können alles - außer Hochdeutsch"), dachte ich: "Denen muß geholfen werden." ;-)

Solange dieser Erfolg noch nicht ganz erreicht ist findet man hier auch eine schwäbische Übersetzung des Newsletters. (Hajo, so isch ds!) Bei Bedarf werden auch weitere Teile der Seite übersetzt. Einfach wird die Vermittlung der Deutschen Sprache jedenfalls nicht, ich habe zwischenzeitlich schon einmal einen Schwäbisch-Sprachkurs begonnen (Schwoabisch för Fischköpp) und kenne nunmehr den Unterschied zwischen "hanoi" und "hajo". Allerdings mußte ich auch lernen, dass die Feinheiten der schwäbischen Sprache 27 Formen des "hanoi" unterscheidet. Und natürlich ist Vorsicht bei sensiblen Punkten geboten. Wie ich erfuhr sollte man einen Schwaben niemals fragen "Warum haben Sie eigentlich kein Haus gebaut?" - es sei denn, man möchte sich seiner lebenslangen Feindschaft vergewissern ;-)

Auf jeden Fall heißt es nun erst einmal sich in der neuen beruflichen und privaten Umgebung einzuleben (was mir von den herzlichen und hilfsbereiten Kollegen und - meist - ebenfalls sehr netten Schülern recht leicht gemacht wird...) und das neue Umfeld erkunden - per Rad, zu Fuß und natürlich auch mit Geitschirm. Eine solche Orientierungsphase erlaubt in dieser Saison nur eine begrenzte Vortragstätigkeit - die dann auch zunächst vorwiegendst im Süden stattfindet. Einige Termine werden voraussichtlich Ende Oktober auf dieser Seite zu finden sein (Link Vortragstermine).

 Im Sommer fuhr und flog ich durch Frankreich und Spanien, hier ein kurzer Bericht:

 Es begann recht vielversprechend.... der erste Flug mit dem frisch überholten Motor in Frankreich, unmittelbar an der bretonisch-normannischen Steilküste, gerade in der Luft und schon fällt der Motor aus. Eine Notlandung nach gerade einmal 3 Minuten Flug. Toll... 10 Stunden Autofahrt um drei Minuten zu fliegen? So beeindruckend diese Küste von oben auch ist - das hatte ich mir anders vorgestellt. Eine Überprüfung des Gerätes, anscheinend läuft der Motor problemlos, ein erneuter Start, ein toller Flug... aber nach 20 Minuten eher ein Ritt auf dem Motor, der im 3-Sekundentakt seine Meinung ob des Antriebs wechselte. Eine zweite Notlandung, dieses mal direkt neben dem Fliegerdenkmal zu Ehren eines Transatlantik-Flugversuches: Das Flugzeug wurde hier letzmalig gesehen. Da kam ich doch vergleichsweise gimpflich davon. Es folgte die erste von mehreren Reparaturen, die ich unter Anleitung des Herstellers machte: Live die Motorgeräusche per Handy übertragend und genaue Arbeitsanweisungen einholend. In einer Telefonzelle wäre das schwieriger gewesen...

Über dem Weltkulturerbe-Schloss Chambord konnte ich - gut geschüttelt, nicht gerührt - mehr oder weniger in der Luft stehen... Die Windgeschwindigkeit ereichte bald eine Stärke, die höher war als meine Eigengeschwindigkeit und die Böen machten selbst das einhändige Fotografieren zur Herausforderung. (Die andere Hand konnte die Bremsleine nicht verlassen. Eigentlich steuert man ja mit beiden Händen, aber es geht auch mit einer... zumal ja der Motor mit seinem nach rechts lenkenden Drehmoment eine zweite Steuerung ist...)

Einige Tage am Boden: Kultur, Kullinarisches und... Reparaturen. Einige Blicke auf die Europa-Windvorhersage und das nächste Ziel war klar: Jenseits der Pyrenäen sollte der Wind abnehmen. Doch bis ich dort war hatte mich auch ein ausgedehntes Tief eingeholt. In einer Nacht hätte es keines Gleitschirmes bedurft um zu fliegen; allein das Zelt hätte gereicht - hätte ich es nicht vorsorglich im Windschatten von Fels und Wald aufgebaut.

Also weiter. Und dann folgten die eigentlichen Traumflüge. Burgen in Kastilien, Halbwüste in Navarra, in der Thermik kreisend zwischen dreißig Raubvögeln. Ein gegenseitiger kritischer Blick, doch die Mittagshitze war offenbar nicht für einen Lufkampf geeignet - ich einerseits ein zu großer Brocken, andererseits von den anderen Vögeln als friedlich erkannt. So nah kommen wohl nur wenige (lebende) Menschen wildlebenden Geiern. Ein unvergessliches Erlebnis!

Auch gut in Erinnerung, jedoch mit weniger gutem Gefühl war eine andere Fliegerbegegnung: In Navarra hatte ich gerade einige Tafelberge überquert, war einigen Canyons gefolgt und nun wieder gelandet, als eine Dreierstaffel Jagdflieger über mich hinwegdonnerte... natürlich in der Höhe, die ich zuvor durchflogen hatte. Nun ja.... hoffen wir mal, dass die Jungs trotz der tollen Landschaft auch auf andere Flieger achten... ein Gleitschirm in deren Düse kann auch nicht in ihrem Interesse sein. Andererseits: Auf all den Flügen in Spanien habe ich nicht einen weiteren Stoffflieger gesehen...Ob die Jetpiloten also eine Veranlassung sehen, auf mich zu achten? Auf dem Radar ist man ja nicht sichtbar und vor einem Düsenflieger zu flüchten soll mir mal ein anderer Gleitschirm vormachen... Nun, zumindest in dem recht vollen Luftraum Deutschlands gab es ja schon einmal ein "militärisches Strahlflugzeug" , das meinen Weg kreuzte. Der Pilot freilich sah mich, machte einen deutlichen Bogen um mich herum.... und wackelte zum Gruße mit den Flügeln.

 Bei Las Medulas wieder ein geographisch faszinierendes Gebiet. Auf der Suche nach Gold haben die Römer hier mit Sklaven sowie genialer Ingenieurskunst einen ganzen Berg abgetragen. Einen Berg, keinen Hügel! Resultat ist eine Landschaft, die freilich erst aus der Luft in ihrer ganzen Größe und Schönheit erkennbar ist. Abends kam ich an, doch eine ausreichend große Startfläche war zunächst nicht auffindbar. Dann ein kleines Grasbewachsenes Plateau: 10 Meter Anlauffläche gegen den Wind, danach der fast senkrechte Abhang. Ein kurzes Zaudern: Reicht das? Es war - nun ja- der "interessanteste" Startplatz bislang. Andererseits: Ist der Schirm erst einmal richtig oben so trägt er auch. Also quasi ein Hangstart mit Motor. Als nun auch noch die Sonne herauskam und und die Felsen rot im Abendlicht glühten gabe es kein Zögern mehr: Kurzes Warten auf den richtigen Wind, rückwärts den Schirm aufziehen, Kontrollblick, alle Leinen frei, umdrehen, Vollgas! Und im nächsten Moment schwebte ich auch schon. über das Tal hinweg, zog meinen Kreis über staunende Dorfbewohner und neugierige Touristen und genoß wieder einmal einen Anblick, der nur wenigen Menschen vergönnt ist.

Natürlich fotografierte und filmte ich auch fleißig, denn ich hatte mir schon während der Fahrt hierher überlegt, dass dies der ideale Einstieg für meinen Geographiekurs Klasse 12 sein würde: Der Mensch prägt seine Umwelt. Ja, die Lehrer arbeiten auch in den Ferien! Kaum war ich im Ländle angekommen, da hieß es zwichen den Umzugskisten mit der Unterrichtsvorbereitung beginnen. Die Aufnahmen wurden auf einen anderen Datenträger übertragen und mit der Theorie aufgearbeitet. Dann kam ich zur Schule, bereit die geplante Stunde zu halten.... und erfuhr, dass dieses noch ein halbes Jahr Zeit haben würde: In Baden-Württemberg wird Geographie in der Klasse 12 nur im zweiten Halbjahr unterrichtet. Nun fragte ich mich, warum dieses nicht so auf dem Stundenplan stand... "Das weiß doch jeder." lautete die Antwort. Tja, offenbar habe ich noch einiges zu lernen. Aber darum wird man ja auch Lehrer: Weil es Spaß macht Neues zu lernen und zu erleben - und man noch weiter lernen möchte.

 

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